Best Practices für Card-Sorting und Tree-Testing

Im Überblick

In diesem Artikel erfährst du, wann du Card-Sortings und Tree-Testing verwenden solltest und wie du sie am besten in deinen Studien einsetzt. Card-Sorting-Tests sind sinnvoll, wenn du verstehen möchtest, wie Menschen Informationen kategorisieren. Tree-Tests eignen sich gut dazu, herauszufinden, wie Nutzer*innen in einer bestimmten Webseiten-Struktur navigieren und Informationen finden.

 

Die Wahl zwischen Card-Sorting und Tree-Testing

Hinweise für dein Card-Sorting oder Tree-Testing

Best Practices für Card-Sorting

Best Practices für Tree-Testing

 

Die Wahl zwischen Card-Sorting und Tree-Testing

Überlege dir bei der Planung deines Tests, welche Arten von Fragen und Aufgaben die Testteilnehmenden bearbeiten sollen. Card-Sorting und Tree-Testing sind zwei Arten von Tests, die dir helfen zu verstehen, wie Nutzer*innen Informationen kategorisieren und wie sie entsprechend strukturiert werden sollten. Aber wann empfiehlt sich ein Card-Sorting und wann ein Tree-Testing? Hier erfährst du alles, was du wissen musst.

Card-Sorting ist ein Test, mit dem sich herausfinden lässt, wie Menschen Informationen verstehen und diese kategorisieren. In einem Card-Sorting ordnen Testteilnehmende „Karten“ mit verschiedenen Elementen in Gruppen ein. Für Card-Sorting gibt es zahlreiche Anwendungsfälle – von der Frage, wie Inhalte auf einer Webseite oder in einer App gruppiert werden sollen, bis hin zur Entscheidung, wie die Artikel in einem Einzelhandelsgeschäft angeordnet werden sollen.

Führe ein Card-Sorting durch, wenn …

  • Du die Informationsarchitektur einer Webseite (d. h. die strukturelle Gestaltung einer Webseite oder Informationsumgebung) gestalten oder bewerten möchtest.
  • Du wissen möchtest, ob das Wording bei deinen Nutzer*innen Anklang findet.
  • Du Ideen zur Bezeichnung verschiedener Elemente benötigst.
  • Du verstehen möchtest, wie Inhalte organisiert werden sollten.

Tree-Testing ist ein Test, mit dem du die Auffindbarkeit von Themen auf einer Webseite bewerten kannst. Tree-Tests werden mit textbasierten Versionen einer Webseite durchgeführt, ohne Navigationshilfen oder Designelementen, ähnlich einer Sitemap. Die Testteilnehmenden werden gebeten, anzugeben, wo sie bestimmte Artikel oder Themen zu finden glauben, damit du einschätzen kannst, wie einfach oder schwierig es ist, Inhalte in einer bestimmten Struktur zu finden.

Führe ein Tree-Testing durch, wenn …

  • Du die Navigation und die Informationsarchitektur einer Webseite gestalten oder bewerten möchtest.
  • Du aktuelle Probleme mit deiner Webseiten-Struktur ermitteln und die Vergleichsdaten von Verbesserungen bereitstellen möchtest.
  • Du Feedback zu verschiedenen Versionen einer vorgeschlagenen Webseiten-Struktur erhalten möchtest.
  • Du wissen möchtest, ob das Wording deiner Webseite bei deinen Nutzer*innen Anklang findet.

Hinweise für dein Card-Sorting oder Tree-Testing

Was versuchst du zu erfahren?

Wie bei allen Tests solltest du dich fragen, was du von den Testteilnehmenden deines Tests zu lernen hoffst. Finden die Nutzer*innen dein derzeitiges Kennzeichnungssystem verwirrend? Wie einfach ist es für Nutzer*innen, bestimmte Informationen auf deiner Webseite zu finden? Entwickle eine Hypothese zu den Elementen, über die du mehr erfahren möchtest, und überprüfe sie mit deinem Card-Sorting oder Tree-Testing. 

Die richtigen Testteilnehmenden finden

Ein entscheidender Teil der Suche nach den richtigen Testteilnehmenden für dein Card-Sorting oder Tree-Testing ist das Verfassen von Screeningfragen, die potenziell wertvolle Testteilnehmende nicht aussieben.

Tipps zur Formulierung deiner Screeningfragen findest du in unserem Knowledgebase-Artikel „Screeningfragen: Best Practices“ und genauere Informationen erhältst du in unserem Kurs Best Practices für Screeningfragen

Best Practices für Card-Sorting

Die Wahl des richtigen Testtyps (offen, geschlossen oder hybrid)

Du kannst verschiedene Card-Sortings durchführen, je nachdem, was du wissen möchtest. Dazu gehören:

  • Offenes Card-Sorting: Nutzer*innen ordnen Elemente (Karten) verschiedenen Gruppen zu und benennen diese Kategorien. Dieser Ansatz wird normalerweise in den frühen Phasen des Entwicklungszyklus verwendet. So kannst du die Wahrnehmung der Nutzer*innen hinsichtlich des geeigneten gedanklichen Modells (d. h. des Denkprozesses einer Person) für die Informationsarchitektur erfassen. 
  • Geschlossenes Card-Sorting: Die Nutzer*innen erhalten sowohl Elemente (Karten) als auch Kategorien, die bereits bezeichnet sind. Dann sortieren sie die Karten in die verschiedenen Kategorien. Dieser Ansatz wird in der Regel verwendet, um die bestehende Informationsarchitektur zu überprüfen oder zu kategorisieren/neu zu kategorisieren.
  • Hybrides Card-Sorting: Den Nutzer*innen werden Elemente und Kategorien vorgegeben, und sie können zusätzlich ihre eigenen Kategoriebezeichnungen erstellen.

Diese Arten von Card-Sorting eignen sich für verschiedene Phasen in deinem Entwicklungsprozess:

  • Discovery: Ein offenes Card-Sorting hilft dabei, herauszufinden, wie die Testteilnehmenden Informationen in einem neuen Entwurf verstehen und kategorisieren könnten.
  • Entwicklung und Design: Ein geschlossenes Card-Sorting hilft dabei, zu bewerten, wie die vorgeschlagene Kategorisierung mit Design-Iterationen funktioniert.
  • Optimierung: Ein hybrides Card-Sorting hilft dabei, Live-Designs zu testen, um Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen, insbesondere, wenn neue Elemente zu den bestehenden Kategorisierungen hinzugefügt wurden.

Wie viele Testteilnehmende benötige ich?

Wir empfehlen eine Stichprobengröße von 30–50 Testteilnehmenden. Weitere Informationen findest du in unserem Artikel zum Thema Card-Sorting mit UserTesting

Einrichten deines Tests

Wenn du deine Testteilnehmenden rekrutierst, informiere sie im Feld Weitere Anforderungen darüber, dass es sich nicht um einen typischen Usability-Test handelt und teile ihnen mit, was von ihnen erwartet wird. Zudem ist es wichtig, dass du den Testteilnehmenden für die Ausführung der Aufgabe ausreichend Zeit gibst, damit sie sich bei der Sortierung der Karten nicht gehetzt fühlen. 

Vermeide ähnliche Begriffe in deinen Karten und Kategorien, die zu Verzerrungen führen könnten. Fragst du beispielsweise, wo die Knoblauchbuttersoße hingehört, wenn du bereits eine Kategorie namens Soße hast? Die Leute suchen nach Übereinstimmungen, also werden die Antworten der Testteilnehmenden durch die Verwendung ähnlicher Begrifflichkeiten verzerrt.

Entmutige die Testteilnehmenden nicht, indem du ihnen 10.000 Karten auf einmal zum Sortieren gibst. Die meisten Card-Sortings umfassten bisher 20–60 Karten, die die Testteilnehmenden sortieren mussten. Eine hilfreiche Faustregel ist die „30/30-Regel“ – 30 Testteilnehmende pro Gruppe und 30 Karten. 

Die Bestimmung der richtigen Anzahl an Kategorien für ein geschlossenes oder hybrides Card-Sorting ist relativ knifflig. Du solltest hierbei vor allem berücksichtigen, dass du nicht zu viele Kategorien haben solltest, sonst kann es schwierig werden, die Karten zu sortieren. Viele Card-Sortings haben zwischen vier und sechs Kategorien. Bei hybriden oder offenen Card-Sortings legst du die Kategorien in deiner Analyse zusammen, um gemeinsame Themen aufzudecken. 

Um das „Warum“ hinter dem „Was“ zu verstehen, solltest du die Testteilnehmenden fragen, welche Karten schwer zu sortieren waren und welche Kategorien, Bezeichnungen oder Karten unklar/verwirrend waren, damit du deine Erkenntnisse vertiefen kannst.

Best Practices für Tree-Testing

Arten von Tree-Tests

Es gibt zwei Hauptansätze für die Durchführung eines Tree-Tests. 

  • Evaluierender Tree-Test: Stelle den Testteilnehmenden mehrere Aufgaben, um den Erfolg einer bestimmten Navigationsstruktur zu verstehen.
  • Vergleichender Tree-Test: Gib den Testteilnehmenden einige Aufgaben und vergleiche die Ergebnisse mit denen einer anderen ähnlichen oder neuen Navigationsstruktur. 

Tree-Tests können in jeder Phase des Entwicklungszyklus durchgeführt werden, aber wir empfehlen, sie bereits in der Recherchephase deines Projekts einzusetzen. Hier sind einige Anwendungsfälle, in denen der Einsatz eines Tree-Tests sinnvoll ist:

  • Entwicklung und Design: Sobald du einen grundlegenden Überblick über die Navigationsstruktur hast, kannst du einen Tree-Test durchführen, um zukünftige Iterationen zu bewerten und zu planen.
  • Optimierung: Ein Tree-Test in dieser Phase hilft dir, die Effektivität des implementierten Designs zu bewerten.

Wie viele Testteilnehmende benötige ich?

Wir empfehlen eine Stichprobengröße von 30–50 Testteilnehmenden. Weitere Informationen findest du in unserem Artikel zum Thema Tree-Testing mit UserTesting

Einrichten deines Tests

Wenn du deine Testteilnehmenden rekrutierst, informiere sie im Feld Weitere Anforderungen darüber, dass es sich nicht um einen typischen Usability-Test handelt und teile ihnen mit, was von ihnen erwartet wird. Zudem ist es wichtig, dass du den Testteilnehmenden ausreichend Zeit für diese Übung gibst, damit sie sich beim Finden der Inhalte nicht gehetzt fühlen. 

Für die meisten Tree-Tests empfehlen wir etwa fünf bis sieben Aufgaben, die du von den Testteilnehmenden in einer Session erledigen lässt. Dieser Ansatz lässt sich jedoch flexibel anpassen, falls du ihn für eine komplexe Tree-Testing-Struktur benötigst.

Wenn du kannst, beziehe alle Navigationsebenen in deinen Tree-Test mit ein, um die vielen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Testteilnehmenden Informationen finden können. 

Die Dauer der Session hängt von der Anzahl der Aufgaben ab, die die Testteilnehmenden erledigen sollen, sowie von der Komplexität der Tree-Testing-Struktur. Am besten führst du zunächst einen Pilottest durch, um herauszufinden, wie lange ein*e Testteilnehmer*in braucht, um die Session abzuschließen, und dann legst du die Erwartungen für die übrigen Testteilnehmenden fest. 

Um das „Warum“ hinter dem „Was“ zu verstehen, solltest du den Testteilnehmenden Fragen zu ihren Erfahrungen stellen, um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen, welche Inhalte schwierig zu finden oder verwirrend waren.

 

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