Verfassen von geeigneten Aufgaben

In jeder erfolgreichen User-Experience-Studie ist idiotensicherer Testablauf entscheidend, um die Benutzer*innen durch die Aufgaben zu führen, die dir die nötigen Erkenntnisse liefern.

Die Erstellung eines Testablaufs ist dabei nicht immer einfach. Es gibt keine festen Regeln, und die Aufgaben, die du einbauen solltest, hängen von deinen Recherchezielen ab. 

Eine Aufgabe ist eine Aktion oder Aktivität, die deine Nutzer*innen ausführen sollen. Manchmal ist es am besten, die Aufgaben offen zu lassen, in anderen Situationen hingegen musst du spezifischer sein.

Dieser Artikel erklärt den Unterschied zwischen offenen und spezifischen Aufgaben. Außerdem zeigt er dir, wann du welche Arten von Aufgaben einsetzen solltest und welche Fallstricke es gibt.

Offene Aufgabenstellungen

Bei offenen Aufgabenstellungen erhalten deine Testteilnehmer*innen nur minimale Erklärungen, wie die Aufgabe auszuführen oder die Frage zu beantworten ist. Der Schlüssel zu wertvollen Erkenntnissen ist hier, die Nutzer*innen dabei zu beobachten, wie sie die Antwort oder Lösung selbst herausfinden. Denke daran, dass die Antworten von der einzelnen Testteilnehmer*innen stark variieren können.

Beispiel

Stell dir vor, du testest eine Fitness-App. Hier ist ein Beispiel dafür, wie eine offene Aufgabe dafür aussehen könnte:

  • Aufgaben mit offener Aufgabenstellung: Nimm dir rund 5 Minuten Zeit, um die App zu erkunden, wie du es auch sonst tun würdest.

Wann offene Aufgaben sinnvoll sind

  • Interessensbereiche identifizieren – Wenn du dir nicht sicher bist, worauf du dich bei deinem Test konzentrieren sollst, versuche Folgendes: Führe einen Test mit offenen Aufgaben durch. Du wirst sicher Bereiche finden, die dich interessieren und die du in einem zielgerichteten Folgetest untersuchen kannst.
  • Explorative Recherche – Wenn du explorative Recherche betreibst, kannst du mit offenen Aufgaben herausfinden, wie die Leute dein Produkt benutzen und auf welche Probleme sie stoßen.
  • Identifiziere Usability-Probleme – Wenn du Dinge finden möchtest, die nicht funktionieren oder deinen Benutzer*innen Probleme bereiten, kannst du sie die Webseite oder App einfach frei erkunden lassen und so Probleme aufdecken, die dir vielleicht noch nicht bewusst wären.

Fallstricke, auf die du achten solltest

  • Definiere klar dein Testziel: Wenn du offene Aufgaben verwendest, musst du trotzdem sicherstellen, dass du ein klares Ziel vor Augen hast. Stelle sicher, dass deine Aufgaben das Endziel deiner Recherche stützen.
  • Halte die Teilnehmer*innen im Gespräch: Stelle sicher, dass du die Testteilnehmer*innen im Gespräch hältst, während sie offene Aufgaben durchführen. Du möchtest nicht, dass sie vergessen, ihre Gedanken laut zu äußern, während sie alles ausprobieren, also erinnere sie daran, zu erklären, warum sie tun, was sie tun.

Spezifische Aufgaben

Spezifische Aufgaben geben den Benutzer*innen eine klare Anleitung, welche Aktionen sie durchführen müssen und über welche Funktionen sie sprechen sollen. Dies richtet deine Recherche auf genau auf die Themen aus, die du untersuchen möchtest.

Beispiel

Stell dir wieder vor, dass du die gleiche Fitness-App wie oben erwähnt testest. Hier ist ein Beispiel dafür, wie eine bestimmte Aufgabe aussehen könnte:

  • Spezifische Aufgabe: Öffne die Herzfrequenz-Tracking-Funktion und versuche, deine Herzfrequenz zu verfolgen.

Wann spezifische Aufgaben sinnvoll sind

  • Teste spezifische Funktionen – Gib den Teilnehmenden spezifische Anweisungen, wenn du die Benutzerfreundlichkeit einer bestimmten Funktion deines Produkts testen möchtest. Zum Beispiel: „Bitte verwende die Suchleiste, um ein Paar schwarze Herrenschuhe in Größe 11 zu finden.“
  • Komplexe Produkte – Wenn du ein kompliziertes, nicht-traditionelles oder ungewöhnliches Produkt hast, von dem die Leute nicht automatisch wissen, wie es zu benutzen ist, können spezifische Aufgaben sie durch das Produkt führen und den Zusammenhang erklären.
  • Conversion-Optimierung – Wenn du weißt, dass es einen bestimmten Punkt in deinem Conversion-Funnel gibt, an dem die Leute abspringen, nutze spezifische Aufgaben, um zu beobachten, wie sie den Funnel durchlaufen. Dadurch erhältst du den Kontext und den Einblick, den du brauchst, um besser zu verstehen, warum sie abspringen.

Fallstricke, auf die du achten solltest

  • Vermeide zu detaillierte Anweisungen – Selbst wenn du deinen Testteilnehmer*innen spezifische Aufgaben gibst, musst du ein Gleichgewicht halten. Du solltest ihnen nicht jeden Schritt auf dem Silbertablett servieren, da du auf diese Weise keine neuen Erkenntnisse gewinnst. Lass sie einen Teil der Arbeit selbst erledigen, und versuche sie nicht zu sehr anzuleiten.

Zusammenfassung

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Studie ist es, die Nutzer*innen zu bitten, Aufgaben auszuführen, gefolgt von Fragen, die dir die Art von Erkenntnissen liefern, die du brauchst. Sobald du deine Testziele klar definiert hast, kannst du entscheiden, ob du offene oder spezifische Aufgaben verwenden möchtest.

Offene Aufgaben helfen dir dabei, die Gedankengänge deiner Nutzer*innen genau nachvollziehen zu können. Diese können bei der Betrachtung von Branding-Elementen, Inhalten und Layouts oder allen „immateriellen“ Aspekten des Benutzererlebnisses hilfreich sein. Sie sind auch gut geeignet, um das natürliche Nutzerverhalten zu beobachten.

Spezifische Aufgaben können helfen, herauszufinden, welche Stellen Benutzer*innen verwirren oder Frustration hervorrufen, wenn sie versuchen, etwas Bestimmtes auf deiner Webseite oder App zu tun. Sie sind perfekt geeignet, um Benutzer*innen dazu zu bringen, sich auf eine bestimmte Funktion, ein Tool oder einen Teil des Produkts zu konzentrieren, mit dem sie sonst vielleicht nicht interagieren würden.

Weitere Informationen findest du im Original-Blogartikel „Erstellen geeigneter Testabläufe: Offene vs. spezifische Aufgaben und Fragen“.

Weitere Ressourcen

Master Class: Testerstellung (UserTesting University)

Best Practices zum Verfassen eines Testablaufs (Live-Training der UserTesting University)

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